Gunnar Schade – Satire-Blog Über Gunnar Schade

01.07.2023

Nachfolgend ein Blog-Beitrag, den ich bereits vor einigen Jahren in einer meiner Kolumnen und am 20.05.2017 in diesem Blog veröffentlicht habe: 

Es gibt viele gute Gründe für Menschen, das Maß ihres Fleischkonsums zu überdenken. Es gibt jedoch auch viele schlechte Ausreden:

– „Erst das Fleischessen ließ die Gehirne der Menschen wachsen und machte sie klüger.“

Die Behauptung, allein das Fleischessen wäre für die Gehirnentwicklung des Menschen entscheidend gewesen, haben Wissenschaftler indes widerlegt. Entscheidend für die Gehirnentwicklung des Menschen war das Kochen; dadurch konnte man bis dahin unverdauliche Pflanzen genießbar machen, die Nährstoffaufnahme erhöhen und somit die für das Essen benötigte Zeit verkürzen, wodurch die Urmenschen mehr Zeit hatten für Sudoku und große Erfindungen wie den Eierschalensollbruchstellenverursacher.

Nicht das Fleischessen lässt Gehirne und die Denkleistung wachsen. Wenn das zuträfe, dann wären Raubtiere oder große Hunde klüger als Vegetarier wie Leonardo da Vinci, Johann Wolfgang Goethe, Voltaire und Pythagoras.

Und die Menschen, die ein erhöhtes Denkvermögen allein mit dem Fleischessen begründen, wären demzufolge dümmer als Pitbulls und Hyänen.

– „Aber Menschen haben schon immer Fleisch gegessen.“

Mal abgesehen davon, dass prinzipiell etwas nicht deswegen richtig ist, weil Menschen es schon immer getan haben, wie zum Beispiel Menschen anderer Herkunft zu benachteiligen und den FC Bayern München Deutschlands Fußballmeister werden zu lassen.

Menschen haben zwar schon immer Fleisch gegessen; aber früher machten sie daraus keinen Vollzeitjob. Wenn die Urmenschen zuweilen ein Mammut erlegten, dann benutzten sie beim Fleischessen auch eine Baggerschaufel und keine Cocktailpicker – allerdings wussten sie nicht, wann es das nächste Mal etwas zu futtern gab. 

In der Zeit des Wirtschaftswunders, als es den Menschen in Deutschland schon wirklich gutging, haben die Deutschen einmal pro Woche Fleisch gegessen. Heutzutage gibt es an jeder Straßenecke Mammutburger zu kaufen; aber viele Menschen mampfen immer noch, als wüssten sie nicht, dass es in einigen Stunden den nächsten Fleischberg geben wird. 

Viele Menschen in den reichen Ländern essen bis zu dreimal am Tag Fleisch – und eine Mahlzeit besteht aus einem Schnitzel mit einem Steak als Beilage, einer Currywurst als Garnitur sowie einem Pfund Hackfleisch als Nachtisch.

Einen Apfel essen viele hingegen nur, wenn dieser naturgemäß von einem Spanferkel umgeben ist. 

– „Pflanzen haben auch Gefühle.“

Etliche Menschen versuchen ihren hohen Fleischkonsum mit der Behauptung zu rechtfertigen, Pflanzen empfänden auch Schmerzen. Pflanzen können vieles in ihrer Umgebung wahrnehmen und reagieren auf Reize und Verletzungen; nach derzeitigem Stand der Wissenschaft haben sie jedoch weder ein Nervensystem, das Schmerzinformationen weiterleiten, noch ein Gehirn, das diese verarbeiten könnte. Pflanzen sind wie Til Schweiger.

Die vermeintliche Rechtfertigung, Pflanzen empfänden auch Schmerzen, ist zudem scheinheilig: Viele Menschen essen nicht deswegen so viel Fleisch, weil ihnen Pflanzen wegen angeblicher Schmerzen leidtun, sondern, weil ihnen Tiere trotz deren tatsächlicher Schmerzen egal sind. 

Und selbst wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dereinst herausfänden, dass auch Pflanzen Schmerzen empfinden, dann wäre der hohe Fleischkonsum immer noch ungerechtfertigt. Um alle Menschen zu ernähren, bedarf es bedeutend weniger Pflanzen, als um Nutztiere zu züchten, deren Fleisch zudem nur einem Teil der Menschen zugutekommt.

Menschen, die sich überwiegend pflanzlich ernähren, haben mithin weniger Pflanzen auf dem Gewissen als Menschen, die vor allem Fleisch essen. 

– „Ob und wie viel Fleisch ich esse, macht doch keinen Unterschied.“

Schon, um Futtermittel für die sogenannten Nutztiere anzubauen, werden jeden Tag Regenwaldflächen in der Größe vieler Fußballfelder abgeholzt. Und dafür werden keine Fußballfelder aufgeforstet, obwohl das im Fall des Hamburger Volksparkstadions nicht nur das Klima, sondern auch die Agilität und Treffsicherheit der auf dem Spielfeld befindlichen Lebewesen verbesserte.

Wenn alle Menschen so viel Fleisch äßen wie die meisten Menschen in den reichen Ländern, dann geriete die Erde zu einem für die Menschheit unbewohnbaren Planeten. Für diejenigen, die sich eine unbewohnbare Gegend nicht vorstellen können, empfiehlt sich eine Reise nach Leverkusen.

Da also nicht alle Menschen so leben sollten wie die Mehrheit in den reichen Ländern, sollte jeder Mensch so leben, dass alle anderen Menschen genauso wie er leben können. Jeder Mensch hat nur das Recht auf einen Ressourcenanteil, der – bei gerechter Verteilung der natürlichen Ressourcen – allen Menschen auf der Welt zur Verfügung gestellt werden kann.

Wer der Meinung ist, es müsste sich nichts ändern, weil es immer schon arme und reiche Menschen gegeben hat, sollte den Rest seines Lebens als armer Mensch verbringen.

– [Nicht nur beim Thema Fleischessen, sondern auch bei dem damit verbundenen Thema Milchtrinken gibt es Irrtümer.] „Milch ist notwendig für einen guten Knochenbau.“

Notwendig für einen guten Knochenbau und die Knochenstabilität ist viel Bewegung sowie die ausreichende Versorgung mit Nährstoffen wie zum Beispiel Kalzium und Eiweiß. Kalzium und Eiweiß sind auch in vielen Gemüsesorten reichlich enthalten; und viel bewegen kann man sich auch ohne Milch – auch wenn Buttermilch die Fluchtgeschwindigkeit eines Menschen enorm erhöht.

Wenn ein guter Knochenbau nur mit Milch auch nach der Stillzeit möglich wäre – von welchen Dealern beziehen Wale und Elefanten ihren Milchschuss?

Wer dreist behauptet, für einen guten Knochenbau wäre Milch zeitlebens unentbehrlich, kann ja mal zu einem Gorilla respektive zu einem Silberrücken gehen, der – wie alle Säugetiere außer dem Menschen – nach der Stillzeit keine Milch mehr getrunken hat, und ihm hinsichtlich eines demzufolge vermeintlich schwachen Knochenbaus eindringlich zu mehr Milch raten …

– „Tiere essen auch Tiere; Tiere zu essen gehört zum Kreislauf der Natur.“

Die meisten Tiere, die Tiere essen, müssen das tun, um zu überleben. Sie sind als Fleischfresser geboren; und die allesfressenden Wildtiere haben keinen 3Sat-Empfang, dessentwegen sie ihre Lebensweise philosophisch hinterfragen könnten.

Die Menschen in den reichen Ländern brauchen, sofern sie keine Vitaminpräparate einnehmen, nur so viel Fleisch zu essen, dass ihr Körper über genug lebenswichtiges Vitamin B12 verfügt. Jedes weitere Gramm Fleisch ist unnötige Tierquälerei.

Und zudem ungesund. Sogar die Menschen, die Fleischberge verputzen, so dass sie von solchen nicht mehr zu unterscheiden sind, würden weniger oder gar kein Fleisch essen, wenn sie wüssten, was in Fleisch respektive in Wurst oft enthalten ist: Schnäbel, Hörner, Knochenreste, Wachstumshormone, Haustürschlüssel, Fußmatten …

Die meisten Menschen möchten nicht damit aufhören, zu viel Fleisch zu essen, weil sie kein Mitleid mit Tieren haben und nur an sich denken; dabei sollten sie gerade aus rein egoistischem Motiv damit aufhören, zu viel Fleisch zu essen.

– „Hitler war Vegetarier.“

Zum einen stimmt das nicht: Reichspropagandaminister Joseph Goebbels verschaffte Adolf Hitler das Image eines Asketen, der angeblich auf Fleisch, Alkohol und Affären verzichtete, um sich vermeintlich ganz dem Wohl der Nation zu widmen. Das hat mit der Realität jedoch so viel zu tun wie Michael Wendler mit der Relativitätstheorie.

Adolf Hitler aß gern Fleisch, trank Alkohol und hatte mehrere Affären. Dass er gelegentlich auf Fleisch verzichtete, lag daran, dass er unter mit seinem Fleischverzehr verbundenen Schweißausbrüchen und Blähungen litt. Nazis leiden übrigens oft unter Blähungen – deswegen reißen Björn Höcke und Alice Weidel bei jeder Gelegenheit ihren Mund auf.

Und selbst wenn Adolf Hitler ein Vege- und kein Blöderarier gewesen wäre, dann wäre das zum anderen dennoch keine Rechtfertigung, unnötig viele Tiere zu töten und zu viel Fleisch zu essen. Der Umstand, dass gewiss etliche Mörder in der Menschheitsgeschichte stilles Wasser getrunken und sich stets an die Straßenverkehrsordnung gehalten haben, ist auch keine Rechtfertigung für Raserei in der Spielstraße unter Alkoholeinfluss.

Die Tatsache, dass der Massenmörder Charles Manson zeitlebens geatmet hat, wird auch kein Mensch zum Vorwand für seinen eigenen Erstickungstod machen.

Unabhängig davon, gilt jedoch eines: Jemand, der Vegetarier oder Veganer ist, ist deswegen nicht zwangsläufig ein guter Mensch. Tiere zu achten ist eine positive Eigenschaft, die allerdings zahlreiche negative Eigenschaften nicht ausschließt. Menschen, die vegetarisch oder vegan leben, sind – entgegen einer weitverbreiteten Selbstwahrnehmung – fleischessenden Menschen also keinesfalls generell moralisch überlegen.

In Anbetracht der Attitüde vieler Vegetarier und Veganer würde es nicht verwundern, wenn ein Drogendealer, der Heroin an Kinder verkauft und zahlreiche Konkurrenten ermordet und im Rausch eine Frau misshandelt hat, vor Gericht seinen Freispruch fordert, weil er Vegetarier ist.

– „Nutztiere zu essen ist in Ordnung.“

Dass zwischen Nutz- und Haustieren unterschieden wird, beruht auf der willkürlichen Einteilung von Menschen. Schweine zu essen gilt für die meisten Menschen in Deutschland als moralisch einwandfrei; Hunde zu essen als moralisch verwerflich. Ein Grund, warum Menschen in Deutschland keine Dackelhaxe verspeisen und nicht mit Schweinen spazierengehen, besteht darin, dass sie Schweine für dumm und Hunde für klug halten. Dabei ist erwiesen, dass Schweine klüger als Hunde sind.

Unabhängig davon, sollten viele Menschen in ihrem Interesse nicht dahingehend argumentieren, dass jemand gegessen werden darf, weil er dümmer ist als andere.

AfD-Politiker und andere Nazis gäbe es im Supermarkt als Deutschländerwürstchen.

Viele Deutsche echauffieren sich über Chinesen, Koreaner und Vietnamesen, weil diese Hunde essen; es besteht jedoch kein moralischer Unterschied darin, ob jemand Hund oder Schwein isst.

Für tierlieb halten sich Deutsche, die Hunde respektive Katzen mögen und sich über Kaninchenkeulen im Sonderangebot freuen.

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