Gunnar Schade – Satire-Blog Über Gunnar Schade

31.08.2023

Sprache ist wundervoll – sie sagt auch das, was Worte verschweigen möchten.

Hubert Aiwanger, Vorsitzender der Freien Wähler, wurde in einem Interview gefragt, ob er in seiner Jugend den Hitlergruß gezeigt und judenfeindliche Witze gemacht habe.

Darauf hat Hubert Aiwanger geantwortet: „[…], aber es ist auf alle Fälle so, dass vielleicht in der Jugendzeit das ein oder andere so oder so interpretiert werden kann, was als Fünfzehnjähriger hier mir vorgeworfen wird, aber auf alle Fälle, ich sag, seit dem Erwachsenenalter, die letzten Jahrzehnte, kein Antisemit, kein Extremist, […]“.

Es sei an dieser Stelle nur nebenbei erwähnt, dass Hubert Aiwanger so spricht, wie eine Rüttelplatte Ballett tanzt.

Für jemanden, der in der bayerischen Landespolitik einen Führungsposten innehaben möchte, wäre korrektes Deutsch ein Karrierehindernis.  

Zurück zum Interview. Beachtenswert ist Hubert Aiwangers Betonung bei: „[…] seit dem Erwachsenenalter, die letzten Jahrzehnte, kein Antisemit, kein Extremist, […]“. Das ist so, als ob ein Drogendealer auf die Frage, ob er früher Drogen verkauft habe, antwortete, „seit meiner Entlassung aus dem Gefängnis, die letzte Zeit, keine Drogengeschäfte, keine Straftaten …“ 

Nach diesem Muster könnte jemand auf eine peinliche Frage auch sagen: „Seit dem Erwachsenenalter kein Windelnässer mehr.“

Im weiteren Verlauf dieses Interviews fragte der Reporter Hubert Aiwanger: „Ist denn in Ihren Akten, in Ihren Schulakten, irgendetwas, was man denn noch finden könnte, was Sie jetzt möglicherweise noch weiter belasten könnte?“

Jeder Mensch, der – abgesehen von dem bereits bekannten Fehlverhalten in seiner Jugend – nichts zu verbergen hat, hätte diese Frage mit der Entschiedenheit eines guten Gewissens verneint. Hubert Aiwanger hingegen antwortete ausweichend: „Lassen wir uns überraschen, was da jemand, äh …, mir unter die Nase halten will.“

Um bei dem eben erwähnten Gleichnis zu bleiben: Nur jemand, der früher Drogen verkauft hat, weiß, dass beim Stöbern in seiner Vergangenheit noch das ein oder andere Päckchen gefunden werden könnte.

Hubert Aiwanger brach das Interview mit diesem Reporter schließlich ab, indem er sich abwandte; da stellte ein danebenstehender Reporter ihm ebenfalls die Frage, ob er den den Hitlergruß gezeigt und judenfeindliche Witze gemacht habe.

Daraufhin antwortete Hubert Aiwanger: „Ist mir auf alle Fälle nicht erinnerlich.“

Die grammatikalisch korrekte Antwort hieße übrigens: „Daran kann ich mich nicht erinnern.“ (Sich) erinnern ist ein reflexives Verb. Über Reflexion weiß Hubert Aiwanger jedoch genauso wenig wie ein katholischer Priester über Kinderschutz.

Hubert Aiwanger behauptet also, er könnte sich nicht daran erinnern, ob er als Fünfzehnjähriger den Hitlergruß gezeigt und judenfeindliche Witze gemacht habe. Das ist unglaubwürdig. Dass sich Hubert Aiwanger angeblich nicht mehr daran erinnern kann, ob er als Fünfzehnjähriger den Hitlergruß gezeigt und judenfeindliche Witze gemacht hat, könnte natürlich auch daran liegen, dass es für ihn selbstverständlich war.

Wenn Hubert Aiwanger das unwürdige Fehlverhalten in seiner Jugend zugegeben und sich davon eindeutig distanziert hätte, dann hätten die meisten gewiss Nachsicht gezeigt. Hubert Aiwanger hat jedoch erst heute nach all den vielen Ausflüchten und unter hohem Druck halbherzig um Entschuldigung gebeten, wobei er sich erneut als Opfer einer Schmutzkampagne darstellte.

Er hat betont, das antisemitische Flugblatt habe nicht er verfasst; dabei steht das schon längst nicht mehr zur Debatte. An den Hitlergruß und die judenfeindlichen Witze, deretwegen man ihn tatsächlich beschuldigt, möchte sich Hubert Aiwanger immer noch nicht erinnern können.

Es sei dahingestellt, ob er in seiner Jugend auch Hitler imitiert hat. Fest steht, dass er in der Aufarbeitung seines Vergehens derzeit die Nazigrößen nach dem Zweiten Weltkrieg imitiert.

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