11.12.2021

Viele Weihnachtsmärkte finden trotz der Corona-Pandemie statt – wohl deswegen, weil Virologen herausgefunden haben, dass das Coronavirus einen zu guten Geschmack hat, als dass es sich auf Weihnachtsmärkte begäbe.

Allein die Tatsache, dass dort Menschen mit Weihnachtsmützen herumlaufen, an denen LED blinken, ist der Beweis dafür, dass oft am falschen Ort nach Terrorzellen gefahndet wird.

An vielen Ständen gibt es Lebkuchen, wofür Menschen in liebevoller Arbeit Zementplatten mit Zuckerguss garniert haben.

Menschen kaufen sich als Weihnachtsdekoration singende Rentier-Plüschtiere, Glitzersternchen für die Fenster und mit Leuchtgirlanden behängte Weihnachtsengel als Pappaufsteller für den Garten – also Dinge, die an den Häusern dieser Menschen vorbeikommenden Gaunern offensichtlich signalisieren sollen: „Hier lohnt sich kein Einbruch – die Bewohner haben ja nicht mal Geschmack."

An Schießbuden frönen Menschen dem atavistischen Trieb, sich etwas durch Schießen zu erbeuten.

An anderen Buden ziehen Menschen Lose – und glauben bei einem Los mit der Aufschrift „Niete", der Gewinn bestünde in einem Treffen mit Christian Lindner.

Die meisten Besucher des Weihnachtsmarktes futtern Currywurst, Schokoladenäpfel sowie Zuckerwatte und schlürfen Glühwein sowie Rum – schließlich möchte man die Absage an die Verwandtschaft, der Einladung zum Weihnachtsfest wegen Übelkeit nicht folgen zu können, dieses Jahr glaubhaft vorbringen.

Auch der Umstand, dass viele Menschen auf dem Weihnachtsmarkt Jagertee trinken, basiert weniger auf dem Wunsch nach Genuss, sondern vielmehr auf dem Wunsch, angesichts all des Weihnachts-Schnick-Schnacks möglichst rasch zu erblinden.

Schlimmer als der jedem Weihnachtsmarktbesuch zugrundeliegende Geschmacksirrtum ist nur ein anderer: Viele Menschen huldigen der Religion Konsum, die auf dem Glauben beruht, mit dem Erwerb materieller Güter erwürbe man Glück.

Nicht, dass die christliche Religion berechtigter wäre. Mit dem Glauben an Gott ist es wie mit dem an den Weihnachtsmann: Sobald man anfängt zu denken, verschwindet er.

Doch statt einer der ehemals wichtigsten Botschaften des Weihnachtsfestes, ein Mensch solle möglichst viel Güte besitzen, folgen die meisten Menschen leider dem Lebensmotto, ein Mensch solle möglichst viele Güter besitzen.

Und gleichwohl diese Menschen dem Gott Konsum unterschiedliche Namen geben wie „Aldi", „Primark" oder „Amazon", so gehorchen sie dennoch denselben Zehn Geboten, darunter zum Beispiel:

2. Gebot: „Du sollst den Namen des Gottes nicht durch immaterielle Güter wie Hilfsbereitschaft verunehren."

4. Gebot: „Du sollst Schnäppchen und Schlussverkäufe ehren."

10. Gebot: „Du sollst begehren deines Nächsten Wohlstandslevel."

Bleibt zu hoffen, dass sich die Menschen darauf besinnen, was im Leben wirklich wichtig ist: anderen Menschen zu helfen und möglichst viel Zeit im Kreise seiner Liebsten zu verbringen. Und manchmal auch im Kreise seiner Familie.

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